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Staatliches Hochbauamt Freiburg

Wohnungsbauprojekt der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Freiburg

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) entwickelt im Freiburger Stadtteil Stühlinger neuen Wohnraum. Nahe dem Hauptbahnhof, zwischen der Kreuz-, Colmarer-, und Lehener Straße sollen kostengünstige Wohnungen enstehen. 

Die Liegenschaft der BImA grenzt an die für den Stühlinger typische dichte Blockrandbebauung sowie an eine Reihe offener Zeilenbauten in der Colmarer Straße. Im Nordosten schließt sich ein öffentlicher Spielplatz mit altem Baumbestand an die Liegenschaft an. Das südöstlich angrenzende Gleisfeld des Hauptbahnhofes stellt mit den dahinter liegenden Straßen eine weitläufige Freifläche und gleichzeitig eine große Lärmbelastung dar.

Das Staatliche Hochbauamt Freiburg, beauftragt mit der Betreuung des Bauvorhabens, hat am 5. Februar 2021 bei einer digitalen Pressekonferenz der BImA das gewählte Konzept für die Neubebauung vorgestellt.

Zur Ausschreibung der Architektenleistungen hatte das Hochbauamt ein Vergabeverfahren durchgeführt. Im Anschluss an den offenen, europaweiten Teilnahmewettbewerb reichten fünf ausgewählte Büros ihr Angebot mit Konzeptskizze ein.

Das angestrebte Ziel: bei einer hohen Grundstücksausnutzung eine große Zahl kostengünstiger Wohnungen zu schaffen. Entscheidende Leitlinie ist dabei die städtebauliche Einfügung und der rücksichtsvolle Umgang mit dem klimarelevanten Baumbestand auf dem Grundstück. Die Auslobungsunterlagen für die Konzeptskizze waren daher in enger Zusammenarbeit mit der städtischen Bauverwaltung vorbereitet worden, um die städtischen Vorgaben zur Erreichung dieser Ziele sicherzustellen.

Ein Gremium aus Vertretern der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, des Bundesbau Baden-Württemberg – Staatliches Hochbauamt Freiburg und des Stadtplanungsamts Freiburg bewertete die eingereichten Angebote. Ausschlaggebend bei der Bewertung waren die Projektskizze wie auch weitere Kriterien: die Qualifikation und die Erfahrung des Personals, die Projektabwicklung, der Leistungszeitpunkt sowie das Honorar.

Im Folgenden eine Übersicht der eingereichten Konzepte, angeführt vom ausgewählten Konzept des Büros K9 Architekten, Freiburg:

Konzeptskizze K9 Architekten, Freiburg

Gewähltes Konzept von K9 Architekten für die Wohnraumentwicklung im Freiburger Stadtteil Stühlinger 

Bei dem Konzept von K9 Architekten, Freiburg überzeugte die konsequente Umsetzung der Konzentration der Flächen auf den neuen Blockrand, um den Baumbestand im maximal möglichen Maß zu erhalten.

Die Außenwirkung mit dem zeitgemäß interpretierten Satteldach, der klar gegliederten Fassade und dem starken Blockrand werden der städtebaulich prominenten Situation in höchstem Maße gerecht. Die Höhenstaffelung zur Kreuzstraße leitet geschickt in den dichten, kleinteiligeren Bereich des Stühlinger über und bleibt gleichzeitig Teil des Gesamtensembles. Der Vorschlag erlaubt als einziger die Freihaltung des Hofinnenbereiches und somit den maximal möglichen Baumerhalt mit der entsprechend hohen Aufenthaltsqualität im Hof sowie den mikroklimatischen Vorteilen.

Konzeptskizze Harter + Kanzler & Partner Architekten, Freiburg

Schlanker, komplett geschlossener Blockrand mit steilen Dächern und polygonalem Blockinnengebäude. Der Entwurf verbindet eine hohe gestalterische Qualität mit einer funktionalen und effizienten Lösung der Schallschutzproblematik.

Das Blockinnengebäude gliedert den Hof geschickt, kann aber in einigen Punkten nicht vollständig überzeugen: im Nordwesten zu große Nähe zum Blockrand, geringe Kompaktheit, geringe Überschneidung mit der Tiefgarage (erhöhte Versiegelung).

Der Bestandsanschluss in der Lehener Straße und die Gebäudehöhe sowie der Bestandsanschluss in der Kreuzstraße sind vor allem wegen der durchgehenden Gebäudehöhe (zu wenig Abstaffelung zum Bestand) städtebaulich nicht vollständig überzeugend.

Der Erhalt von Bestandsbäumen im Hof wurde berücksichtigt, jedoch entfallen vor allem Bäume mit besonders hohem Erhaltungswert.
 

Konzeptskizze THOMA.LAY.BUCHLER.ARCHITEKTEN BDA, Todtnau

Der Block wird mit zwei Einzelgebäuden mit flachem Walmdach größtenteils geschlossen, Riegel als Blockinnengebäude.

Der Entwurf erreicht eine hohe Bruttogrundfläche (BGF), und die klaren kompakten Baukörper versprechen eine vergleichsweise wirtschaftliche Bauweise. Städtebaulich nicht vollständig überzeugend ist das Abrücken des Gebäudes aus der sonst so klaren Flucht der Kreuzstraße und vom Nachbargebäude. Letzteres führt zu einem schmalen Raum zwischen Brandwänden; der Blick von der Straße in den grünen Hof wird zudem durch das Nebengebäude des Nachbarhauses größtenteils verstellt.

Durch das Blockinnengebäude entsteht eine klare Teilung des Hofes, jedoch auch ein vergleichsweise starkes Vis-à-vis zwischen Blockrand und Hofgebäude.
 

Konzeptskizze Peter W. Schmidt Architekten, Pforzheim

Komplett geschlossener, schlanker Blockrand mit außen umlaufenden Laubengängen, große Fahrradabstellräume in den Blockecken auf allen Etagen, kleines Punkthaus als Blockinnengebäude.

Die Blockrandfassaden, stark von Laubengängen und Fahrradabstellflächen bis ins oberste Geschoss bestimmt, werden der städtebaulichen Lage vergleichsweise wenig gerecht. Die Erschließung ist mit nur drei Treppenhäusern extrem effizient, jedoch unter sozialen Gesichtspunkten nicht ganz überzeugend (über 30 Einheiten an einem Treppenhaus, lange Laubengänge).

Position und Dimension des Blockinnengebäudes führen zu einer großzügigen grünen Freifläche und vergleichsweise wenigen Baumfällungen, sind aber dennoch nicht vollständig nachvollziehbar (im Vergleich etwas weniger überzeugende Gliederung des Hofes, teilweise starkes Vis-à-vis zum Blockrand).
 

Konzeptskizze Hetzel Ortholf Architekten, Freiburg

Gestalterisch stark voneinander abgesetzte, wie Einzelhäuser wirkende Abschnitte im teilgeschlossenen Blockrand, eine formal an den Bäumen orientierte Form im Blockinnenbereich.

Der Verzicht auf die Bildung eines einheitlichen Ensembles zugunsten einer heterogenen, kleinteiligen Außenwirkung kann insbesondere bei einem einzigen Bauherrn, homogener Nutzung und gegenüber den weitläufigen Freiflächen nicht vollständig überzeugen. Die Verteilung der Gebäudevolumen mit einer Fuge an der Ecke Colmarer Straße ist für den Schallschutz eher unvorteilhaft.

Der Ansatz durch runde Ausschnitte im Hofgebäude den Baumerhalt zum gestalterischen Thema zu machen, kann nicht vollständig überzeugen: Der Erhalt ist selbst in den Bereichen ohne Tiefgarage schwierig.