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Staatliches Hochbauamt Freiburg

Mehrwertsteuerhäuschen für die Zollverwaltung, Weil am Rhein

Eine Besonderheit im deutsch-schweizerischen Grenzverkehr sind die Mehrwertsteuer-Rückerstattungsbelege. Dies sind durch den deutschen Zoll abgestempelte Ausfuhrbescheinigungen, mit denen Schweizer Bürger für in Deutschland getätigte Einkäufe die Mehrwertsteuerdifferenz zwischen beiden Ländern zurückerstattet bekommen.

Neubau

Klein aber fein

Bedingt durch den Bau einer neuen Straßenbahnverbindung zwischen Basel und Weil am Rhein musste das in die Jahre gekommene Zollamt in Weil-Friedlingen der Trasse der neuen Tram Linie 8 weichen. Als Ersatz wurde in Fahrbahnmitte - überwiegend auf Schweizer Hoheitsgebiet - der Neubau eines gemeinsam vom deutschen und schweizerischen Zoll genutzten Abfertigungsgebäudes mit Fahrbahnüberdachung realisiert. Der Neubau entstand auf Grundlage eines von der Stadt Basel durchgeführten Architektenwettbewerbs.

Parallel sollte das, etwas abseits des Neubaus befindliche aus den 1960er Jahren stammende, „Mehrwertsteuerhäuschen“ saniert werden. Hierbei handelt es sich um eine Besonderheit im deutsch-schweizerischen Grenzverkehr. Im „Mehrwertsteuerhäuschen“ werden Ausfuhrbestätigungen abgestempelt, mit denen Schweizer Bürger für in Deutschland getätigte Einkäufe die Mehrwertsteuerdifferenz zwischen beiden Ländern zurückerstattet bekommen.

Aufgrund der hohen Sanierungskosten und einem gewachsenen Raumbedarf des Zolls entschied sich die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben als Bauherr der Maßnahme für einen Abbruch und anschließenden Neubau an gleicher Stelle. Nach Erarbeiten der Entwurfsplanung durch das Staatliche Hochbauamt Freiburg wurde der Gewinner des Wettbewerbs, „zickenheiner architekten gmbh“ aus Lörrach, mit der weiteren Ausführung beauftragt, um dem Gebäude die gleiche Handschrift wie die der Hauptzollanlage zu verleihen.

Durch die Neubaulösung war es möglich, den sogenannten Servicebereich, in dem ausschließlich die grünen Ausfuhrbestätigungen abgestempelt werden, um einen temporär, binational genutzten Vernehmungs- und Durchsuchungsbereich im linken Gebäudeteil zu erweitern.

Eine Teeküche und ein im Kern befindlicher Sanitär- und Technikbereich komplettieren das rund 50 m² große Gebäude. Das umlaufende Vordach, eine Betonfertigteilkonstruktion, die bei Nacht durch indirekte Beleuchtung akzentuiert wird, soll Wartenden die Möglichkeit bieten, sich bei Regen unterstellen zu können.

Die Bauzeit betrug knapp ein Jahr. Die Gründungsarbeiten begannen im Oktober 2012 mit der Bohrung von 32 Mikropfählen, da sich das Gebäude im Bereich einer Aufschüttung mit verschiedenen Rheinkiesen befindet. Die tragende Hülle und das Dach entstanden als Ortbetonkonstruktion, der Ausbau erfolgte im Trockenbau. Die markante Fassade besteht aus einer fugenlosen, weißen PU- Beschichtung auf Holzplatten als Trägermaterial. Die glatte, „strahlend weiße“ Fassade, die runden Gebäudeecken mit dem gebogenen Glas der Fensterbänder und die nächtliche Inszenierung durch die indirekte Beleuchtung sind die prägenden Erkennungszeichen der gesamten Zollanlage, die sicher noch den einen oder anderen Architekturtouristen -nicht nur zum Abstempeln der „Grünen Zettel“- über die Grenze führen wird.

Bauherr

Bundesanstalt für Immobilienaufgaben

vertreten durch

Oberfinanzdirektion Karlsruhe, Bundesbau Baden-Württemberg, Staatliches Hochbauamt Freiburg

Oberste technische Instanz: Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung

Nutzer

Deutsche Zollverwaltung

Planung und Umsetzung

Projektleitung: Staatliches Hochbauamt Freiburg

Entwurf, Planung und Ausführung: zickenheiner architekten gmbh, Lörrach

Gebäudetechnik: Staatliches Hochbauamt Freiburg

Tragwerksplanung: Ingenieurgruppe Flösser, Lörrach

Gebäudedaten

Bauzeit: 10/2012-09/2013

Gesamtbaukosten: 520.000 Euro