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Deutsche Botschaft Algier, Kunst am Bau, Peter Zimmermann, Ohne Titel, 2020

Betriebsleitung

Deutsche Botschaft Algier, Algerien

Neubau der Kanzlei der deutschen Botschaft in Algier

Für die Wahrnehmung der Bauherrenaufgabe und der Projektleitung dieses anspruchsvollen Auslandsbauvorhabens hat das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) den Landesbetrieb Bundesbau Baden-Württemberg beauftragt

Erbaut wird die neue Dienststelle des Auswärtigen Amtes als fünfgeschossiges Gebäude nach den Entwürfen des Generalplaners KSP Jürgen Engel Architekten auf dem bundeseigenen, rund 3.700 m² großen Grundstück. Eine besondere Herausforderung und gleichzeitig einen besonderen Reiz dieses Geländes stellt die Hanglage mit einer Höhendifferenz von sieben Metern dar.

Die Grundsteinlegung für das neue Kanzleigebäude in Algier erfolgte im April 2019. Die Fertigstellung der neuen Dienststelle für das Auswärtige Amt ist für 2021 geplant.

Deutsche Botschaft Algier, Kunst am Bau, Peter Zimmermann, Ohne Titel, 2020

Peter Zimmermann, Ohne Titel, 2019

Kunst am Bau

Als „Visitenkarten“ der Bundesrepublik gehören Bauten im Ausland zu den wichtigsten staatlichen Bauaufgaben. Sie repräsentieren das baukulturelle Niveau Deutschlands und geben mit ihren künstlerischen Beiträgen zudem einen Einblick in das aktuelle Kunstschaffen in der Bundesrepublik. 

Für den Bundesbau Baden-Württemberg ist dieses Kunst am Bau-Projekt eine Premiere: Zum ersten Mal führte er auch bei einer Baumaßnahme im Ausland einen Kunst am Bau-Wettbewerb durch.

Für diesen Wettbewerb hat die Betriebsleitung des Bundesbaus Baden-Württemberg in Freiburg sechs von einem fachkundigen Auswahlgremium vorgeschlagene Künstlerinnen und Künstler dazu eingeladen, ein Kunstwerk für die zentrale dreigeschossige Wandscheibe im Atrium des Botschaftsgebäudes zu entwerfen. Ein idealer Standort, da sich die lichtdurchflutete Halle mit seiner großzügigen Verglasung zur Landschaft hin öffnet und das Herzstück und kommunikative Zentrum der Botschaft ist.

Ulla von Brandenburg (Karlsruhe, Paris), Veronika Kellndorfer (Berlin), Mischa Kuball (Düsseldorf) und Peter Zimmermann (Köln) reichten Beiträge für den Wettbewerb ein. Unter dem Vorsitz von Klaus Max Rippel, Leiter des Landesbetriebs Bundesbau Baden-Württemberg, und Christoph Bauer, Leiter des Kunstmuseums Singen, wählte die Jury, an der stimmberechtigt auch der damalige deutsche Botschafter in Algier, Michael Zenner, teilnahm, den Entwurf von Peter Zimmermann zum Sieger des Wettbewerbs (1. Preis).

Deutsche Botschaft Algier, Kunst am Bau, Peter Zimmermann, Ohne Titel, 2020

Die vielen Farben Deutschlands

Peter Zimmermann wurde 1956 in Freiburg geboren und lebt in Köln. Seinem Entwurf für das Kunst-am-Bau-Projekt liegt die Abbildung einer Deutschlandfahne zugrunde.  Diese ist nicht realistisch wiedergegeben, sondern wird über eine Transformation in Form und Farbe (zwölf Farbschichten) geöffnet: „In seinen zahlreichen Überlagerungen von transparenten, glänzenden Epoxidharz-Schichten möchte das Gemälde die Vielschichtigkeit einer modernen Nation repräsentieren. Die Nuancen in der Farbigkeit verdeutlichen die Möglichkeiten und Chancen von Zwischentönen innerhalb eines Staates, ohne dass eine wesentliche Ausrichtung dabei verloren ginge. In ihrer Vielfalt greifen sie die Mehrstimmigkeit Deutschlands auf. Zugleich zeigt sich dieser Entwurf in seiner Transparenz und seinen reflektierenden Oberflächen offen für den Dialog mit anderen Menschen und Ländern. Die deutsche Nation, so kann die dynamische Form des Wandgemäldes gesehen werden, ist gewachsen und entwickelt sich lebendig und kontinuierlich weiter“ (Erläuterungsbericht des Künstlers zu seinem Wettbewerbsbeitrag).

Doch trotz dieses inhaltlichen Bezugs kann das Gemälde, das sich zwischen freier Malerei und Inhaltlichkeit bewegt, auch als abstrakte Farbkomposition, als Topographie oder Landschaft gelesen werden.

Bauhaus, Transit und eine bunte Utopie

Den 2. Preis erhielt der Vorschlag von Veronika Kellndorfer. Mit Zitaten aus der Bauhaus-Tradition (Balkone und Fotoreproduktionen der Fenster aus dem „Prellerhaus“ in Dessau) erinnert die Künstlerin in ihrem Entwurf an wichtige baukulturelle Beziehungen zwischen Deutschland, Algier („Weiße Stadt“) und dem afrikanischen Kontinent, von dem die Bauhaus-Architekten wesentlich beeinflusst wurden. Mit dieser formal überzeugenden und durchdachten Arbeit konstruierte sie, wie eine bühnenbildähnliche Inszenierung, ein neues architektonisches Moment in diesem Gebäude.

 

 

Mischa Kuball hat in seinem Entwurf die Transit-Situation aufgegriffen, in der sich die Besucher einer Botschaft oftmals befinden. Die große Eingangshalle der Botschaft interpretierte er als Willkommensgeste, die er mit langsam rotierenden dichroitischen, vor den Fenstern angebrachten Gläsern aufgenommen und weitergeführt hat. Sie bewirken einen atmosphärisch stark belebenden Effekt und in der Beiläufigkeit der Raumdurchwegung zugleich ein kinematographisches Moment.

Ulla von Brandenburg schlug in ihrem Beitrag ein Mosaik aus farbigen Steinen und Gläsern vor, das in den Farben „kräftig, warm und voller Zuversicht“ ist (Erläuterungstext der Künstlerin) und die gesamte Wandfläche überziehen sollte. Dieses Mosaik ist vielseitig interpretierbar, als Patchwork-Vorhang, bunter Teppich, eine Fahne oder eine abstrakte topographische Landkarte, erinnert aber auch an das Kostüm des Narren. Für die Künstlerin ist dies ein Symbol dafür, dass Hierarchien und ungerechte Unterschiede abgebaut werden müssten, ein utopisches, an die Zukunft appellierendes Motiv.