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Betriebsleitung/Staatliches Hochbauamt Freiburg

Wirtschaftsgebäude mit Lebensmittelumschlagstelle für die Bundeswehr, Prizren

Der Bundesbau Baden-Württemberg ist auch in den Einsatzgebieten der Bundeswehr aktiv. Nach dem Scheitern der Friedensgespräche und der unmittelbar anschließenden einseitigen Unabhängigkeitserklärung des Kosovo im Februar 2008 kam die haushaltsmäßige Anerkennung für den Neubau des Wirtschaftsgebäudes Prizren in unser Haus. Die sofort eingeleitete beschränkte Ausschreibung erbrachte wegen der kritischen Lage im Kosovo lediglich zwei Angebote, eines davon weit überhöht.

Neubau Wirtschaftsgebäude mit Lebensmittelumschlagstelle

Bauen mit Fernsteuerung

Die beauftragte Firma Intering aus Leuna, mit Wurzeln im Kosovo, machte sich mit ihrem Planer IPRO Dresden ab Juli 2008 ans Werk. Langwierigen und schwierigen Gründungsarbeiten folgte ein langer und schneereicher Winter im Kosovo. Mit äußerster Anstrengung konnte die Baufirma den zugesicherten Richtfesttermin einhalten. Dies bedeutete zweischichtigen Baustellenbetrieb von 06:30 bis 22:00 Uhr an 7 Tagen jede Woche mit entsprechenden Belästigungen für die angrenzenden Soldatenunterkünfte. Parallel dazu fanden 14-tägig Planungskoordinations-Besprechungen in Stuttgart mit allen Beteiligten und überlappend Baukoordinatiöns-Besprechungen zwischen dem Generalunternehmer und dem von uns beauftragten Generalplaner Ernst2 im Feldlager Prizren statt. Wir waren an den Planungskoordinationen regelmäßig und an den Baukoordinationen nach Notwendigkeit, u. a. wegen der Wahrnehmung der öffentlich-rechtlichen Bauaufsicht und zur Qualitätssicherung beteiligt.

Richtfest an Christi Himmelfahrt. Kein Hindernis für Mitarbeiter des Bundesbaus Baden-Württemberg, die in Punkto Einsatzfreude den Soldaten nicht nachstehen und natürlich auch keine Gelegenheit versäumen, Geld zu sparen. Y-Airways (die Bundeswehr) war ausgebucht, ein Billigflug war leider an bestimmte Reisefristen gekoppelt. Das bedeutete diesmal Anreise am Tag vor Himmelfahrt und Rückkehr am Sonntag darauf. Dazwischen lagen Selbstfahrer Mietautofahrten mit unklarem Kartenmaterial aus Tito-Zeiten auf holprigen Straßen durch wunderbare Natur und Feldlager-Leben mit den Soldaten, also auch Übernachten in den sogenannten Dosen (Unterkunftscontainern).
Das Richtfest, ein Fest traditionell vor allem der Bauarbeiter mit dem Bauherrn und als Gästen den Istitutionen der späteren Nutzer. Leitender Baudirektor Dagobert Krüger begrüßte die etwa 100 Gäste, Brigadegeneral Harald Fugger würdigte den nachhaltigen Bau als Bekenntnis der Bundeswehr zu ihren Verpflichtungen und empfahl ihn für eine beispielsweise universitäre Nutzung nach einem im übrigen nicht bevorstehenden Rückzug der Bundeswehr. Architekt Ernst schilderte den Entstehungsprozess und die Aspekte des Bauwerks. 

Am nächsten Tag wurden von LBD Krüger vier Eichen und vier Linden in einer kleinen Zeremonie an der Umfahrungsstraße des 2007 übergebenen und seitdem oft belobigten Einsatzlazarettes nachgepflanzt, sowie dies schon seinerzeit in der Planung vorgesehen gewesen war. Am Abend war noch Zeit, einen kleinen privaten Rundgang durch das historische Zentrum von Prizren zu machen. Wir wurden überall freundlich begrüßt, konnten die Restaurierungsarbeiten der historischen Sinan-Pascha Moschee aus nächster Nähe betrachten. Die Ruinen des ehemaligen Serbenviertels und schwer bewachte orthodoxe Bauwerke wie die Kathedrale riefen den immer noch aktuellen Grund des Hierseins der Bundeswehr ins Gedächtnis.

Bauherr

Bundesrepublik Deutschland

vertreten durch

Bundesministerium der Verteidigung

vertreten durch

Oberfinanzdirektion Karlsruhe, Bundesbau Baden-Württemberg, Betriebsleitung

Nutzer

Bundeswehr

Planung und Umsetzung

Konzeption und Projektsteuerung: Oberfinanzdirektion Karlsruhe, Bundesbau Betriebsleitung und Staatliches Hochbauamt Freiburg

Planung, Ausschreibung und Bauleitung: Ernst² Architekten AG, Stuttgart

Generalunternehmer: Intering GmbH, Leuna

Gebäudedaten

Fertigstellung: 09/2008-02/2010

Nutzfläche: 3.482 m²

Gesamtbaukosten: 10,7 Mio. Euro