Zum Inhalt springen
Außenansicht Tesla-Neubau Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg

Staatliches Hochbauamt Heidelberg

Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist eine Stiftung des Öffentlichen Rechts mit dem Ziel, die grundlegende Funktionsweise der Krebsentstehung zu erforschen. Es wurde 1964 als nationale Forschungseinrichtung gegründet, Stiftungsbeauftragter war der Heidelberger Chirurg Karl Heinrich Bauer auf dessen Initiative das Entstehen des DKFZ zurückzuführen ist. 1975 wurde das DKFZ Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der Großforschungseinrichtungen, aus der 1995 die Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren entstand. Das Land Baden-Württemberg ist Stifter des DKFZ. Es trägt einen Anteil von 10 % an der Finanzierung, Hauptkostenträger ist aber der Bund mit einem Anteil von 90 %.

Nachtaufnahme Tesla-Neubau Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg

Neubau

Ein 7-Tesla-Hochfeldtomograph für die Krebsforschung

Für den ausschließlich für Krebsforschung eingesetzten 7-Tesla-Hochfeldtomographen wurde ein Neubau konzipiert, welcher neben dem Geräteraum auch die Arbeitsräume für Vorbereitung und Auswertung beinhaltet.

Eine magnetische Feldstärke von 7 Tesla entspricht in etwa der 150.000fachen Stärke des Erdmagnetfeldes. Dieses Magnetfeld wird durch eine Abschirmung von über 250 Tonnen Stahl im Zaum gehalten. Um Störungen für die Forschungsarbeit der nördlich liegenden physikalischen Institute durch dieses starke Magnetfeld zu minimieren, musste der Neubau in einen möglichst großen Abstand zu diesen und damit in unmittelbare Nähe der "Harald zur Hausen"-Laboratorien gerückt werden. Im Bereich der sogenannten Herzschrittmacherlinie, wurde das Gelände abgesenkt, eine Absenkung welche aber gleichzeitig die Besonderheit der Anlage unterstreicht. Statt eines profanen, höheren Zaunes, reicht es nun, diesen Sicherheitsbereich durch ein einfaches Geländer zu markieren.

Das Bild von Eisenspänen, welche sich über einem Magneten nach dessen Feldlinien aufspreizen, war das Motiv für die Fassade. Metalllamellen, welche mit Abstand vor die ansonsten homogene, schwarze Hülle montiert sind, spreizen sich auf, wodurch sich aus jedem Blickwinkel unterschiedliche Ansichten und Einblicke ergeben.

Innen ist das Gebäude trotz des äußeren, geschlossenen Eindrucks sehr hell. Aus der Notwendigkeit, zwischen Geräteraum und ständigen Arbeitsplätzen im Sinne des Arbeitsschutzes einen definierten Abstand vorzusehen, wurde eine Eingangs- und Treppenhalle generiert, welche neben einer einladenden Geste den Raum für Aufenthalt und Kommunikation, für Ausstellungen und Vorträge schafft. Durch die transparente Ausformulierung der Trennwand zu den Vorbereitungs- und Auswertungsräumen, bilden diese mit der Halle eine räumliche Einheit. Im Laborbau ungewöhnlich, besteht diese Trennwand aus einem Wechsel aus geschlossenen Paneelen und Glasschiebetüren welche alle an einer zweiläufigen Deckenschiene aufgehängt sind. Die Trennwände zwischen den Arbeitsräumen integrieren in Technik-Modulen die erforderlichen Elemente der Raumtechnik – Heizung, Umluftkühlgeräte, Zu- und Abluft hinter Lamellenfronten und die notwendigen Schalter, Raumfühler, Lautsprecher etc. in den seitlichen Fronten. Der Innenausbau ist formal reduziert, die Details sind zurückhaltend gestaltet. Im Inneren bestimmen Sichtbetondecken, weiße Fronten und Wandflächen, der hellgraue Bodenbelag, Edelstahl für Geländer und Beschläge den Raumeindruck. Die Trennwand zum Gerätebereich ist aus akustischen Gründen als Absorber ausgebildet.

Detail Außenansicht Tesla-Neubau Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg

Die Gebäudekonzeption wurde mit Blick auf eine Verwendungsfähigkeit über die wissenschaftliche Lebensdauer des Gerätes entwickelt. Entsprechend dem notwendigen Unterbau des Gerätes wurde die gesamte Bodenplatte um ca. 1,80 m abgesenkt, der Boden außerhalb des Geräteraumes aufgeständert. Die Gebäudekonstruktion ist aus Stahl, die Außenwände sind mit KS-Mauerwerk ausgefacht. Die inneren Stützen lassen sich mit geringem Aufwand entlang der Querachse des Gebäudes verstellen um Freiräume für zukünftige Geräteaufstellungen zu erzeugen.

Die Zentralen der Geräte- und Gebäudetechnik liegen unmittelbar am Geräteraum, so dass kurze Leitungsführungen der wesentlichen Trassen gewährleistet sind. Die Versorgung der Arbeitsräume erfolgt über den aufgeständerten Doppelboden. Die Auslässe für Frischluft, Abluft und Quench (Abführen der Heliumfüllung des Magneten bei Störungen) wurden bündig in die Fassade integriert, Dachdurchdringungen wurden vermieden. Wartungsfähigkeit als auch Flexibilität bei Nachrüstungen sind konzeptbedingt sehr gut.

Das Konzept ist auf Langlebigkeit und wandelnde Anforderungen an das Gebäude ausgerichtet, beim Bauen für die Forschung unverzichtbare Qualitätskriterien.
 

Nachhaltigkeit

  • zentrale Wärme- und Kälterezeugung mit CO2-Reduktion
  • Konditionierung der Arbeitsräume aus Rücklauf Gerätekonditionierung
  • gesteuerte natürliche Lüftung
  • verbesserte Wärmedämmung und Sonnenschutz, sehr gutes A-V-Verhältnis
  • Regenretention
  • Baustoffauswahl unter Berücksichtigung des Primärenergieeinsatzes
Fassadendetail Tesla-Neubau Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg

Bauherr

Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg, Stiftungsvorstand

Planung und Umsetzung

Planung: Heinle, Wischer und Partner, Stuttgart

ZBau-Betreuung: Staatliches Hochbauamt Heidelberg

Gebäudedaten

Bauzeit: 08/2007-07/2008

Nutzfläche: 488 m²

Gesamtbaukosten: 4,9 Mio. Euro

Auszeichnung

Beispielhaftes Bauen Stadt Heidelberg 2003 - 2010